Grußwort

Werte Leser, liebe Freunde traditioneller Schiffe, Traditionsschiffe sind ein Markenzeichen Nordeuropas. Nirgendwo sonst auf der Welt sind so viele alte ehemalige Frachtoder Fischereifahrzeuge erhalten wie in den Häfen an Ostund Nordsee sowie an den europäischen Atlantikküsten. Sie sind die attraktiven Hauptakteure maritimer Großveranstaltungen, die wiederum deren »Bühnen« sind. Dabei handelt es sich um teils weitestgehend im Original erhaltene Segel-, Dampfoder Motorschiffe oder historischen Vorbildern entsprechende Repliken, die nicht nur statisch in Museen gezeigt werden, sondern nach wie vor in Fahrt sind. Sie werden größtenteils durch ehrenamtlich tätige Vereine und Vereinigungen oder Privatpersonen bereedert und bewirtschaftet, denen es vorrangig um den Erhalt der Oldtimer geht.

Die Nutzung dieser Schiffe hat sich mit den Jahrhunderten verändert und neue Schiffe, angepasst an die Erfordernisse der modernen Zeit, haben ihre Aufgaben übernommen. Nur wenige traditionelle Schiffe sind demzufolge noch entsprechend ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung unterwegs. Neue Betriebskonzepte und -formen mussten her. Und so stehen heute die praktische Ausbildung an Seefahrtsschulen, die Verwirklichung sozialer Zielstellungen oder handwerklicher Fähigkeiten und Fertigkeiten im Vordergrund des Bordalltages. Es geht um die Bewahrung maritimer Traditionen und Kulturgüter der Menschheit. Wie aber Einnahmen zur Deckung der Kosten für den Schiffsbetrieb und -erhalt erwirtschaften? Wie Mitstreiter gewinnen?

Die Zauberworte heißen in vielen Fällen »Einfach mitsegeln!« oder »Sail Training«. Dahinter verbirgt sich die Gewinnung von Menschen, die gegen Zahlung von Entgelten oder Beiträgen Tagesfahrten oder Törns von Hafen zu Hafen unternehmen und Teil der Crew werden, vielleicht nicht nur für ein paar Stunden oder Tage, sondern dauerhaft.

Das erfolgt mit unterschiedlicher Intensität. Tatsächlich sind den Mitseglern während Tagesfahrten manchmal das wenn auch warme Bier und die lauwarme Suppe aus der Kombüse wichtiger als das Schiff oder die Bordroutinen. Vielen sind jedoch auf diese Art und Weise »Seebeine gewachsen«. Aus Sehleuten maritimer Großveranstaltungen sind Seeleute auf Traditionsschiffen geworden.

Die Definition entsprechender Rahmenbedingungen für historische Wasserfahrzeuge durch den Gesetzgeber ist vor dem Hintergrund, dass es sich um Oldtimer handelt, auf denen technische Standards des 21. Jahrhunderts schwer oder nicht umzusetzen sind, nicht ganz einfach. Erschwerend wirkt, dass es in einem zusammenwachsenden Europa unterschiedliche Herangehensweisen gibt, mit derartigen Schiffen umzugehen. Ein Schiff kennt jedoch keine Grenzen. Im Gegenteil, es ist auf internationale Freizügigkeit angewiesen.

Es bedarf schnellem, mutigem und unkonventionellem Handeln aller Beteiligten, diese Rahmenbedingungen zu schaffen, geht es doch um den Schutz derer, die teils unerfahren an Bord gehen. Es darf nicht nur um Richtlinien und Restriktionen gehen. Wir brauchen öffentliche und private, nationale und internationale Fördermechanismen für unsere maritime Kultur. Es bedarf gemeinsamen Handelns und gemeinschaftlicher Fürsorge, damit Traditionsschiffe auch künftig Häfen, Regionen, Staaten und Menschen verbinden können und die maritimen Feste in Europa zieren. Die Eigner der Schiffe müssen für ihr Engagement gelobt und belohnt werden.

Holger Bellgardt
Hansestadt Rostock
Leiter Büro Hanse Sail
Vorstandsmitglied EMH European Maritime Heritage

Stand: 25. Okt. 2014

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