Seute Deern

Eine Geschichte von liebenswerten Spinnern und betagten Damen

Clipper 1973 bis 2013

Am Anfang gibt es Gegenwind. Zu suspekt erscheint die Idee einer kleinen Gruppe deutscher Seeleute, traditionelle Seefahrt an junge »Landratten« zu vermitteln. Doch dieser Handvoll Begeisterter und Hartnäckiger ist zu verdanken, was 1973 ins Leben gerufen wurde und letztes Jahr 40-jähriges Bestehen feiern konnte: das Deutsche Jugendwerk zur See. »Liebenswerte Spinner« – so der Kommentar eines Moderators vom Norddeutschen Rundfunk – gehörte zu den schmeichelhafteren Bezeichnungen, die die spleenigen Seeleute ertragen mussten. In Seglerund sogenannten Fachkreisen scheint Anfang der 70erJahre die Vision von einem Verein, der Seemannschaft »von gestern« zu seinem Anliegen machen will, mehr als merkwürdig. Die Seeleute verfolgten ihr Ziel mit Herzblut, dies allerdings mit leeren Taschen. Hinter ihnen standen weder staatliche noch private Mäzene, weder ein Verband noch eine Organisation. Die »Spinner« wussten: Ihre Idee braucht ein Schiff. Und im Visier hatten sie die Gaffelketsch SEUTE DEERN vom Norddeutschen Lloyd, die in den 60er-Jahren zeitweise als Kadettenausbildungsschiff genutzt wurde. Das Holzschiff lag ohne Einsatz längsseits vom Schulschiff DEUTSCHLAND im Hafen von Bremen. Seeleute mögen – das ist bekannt – nicht lange reden, wenn sie wissen, was sie wollen, und die SEUTE DEERN sollte es sein. Kurz darauf wagten die Seeleute erste Probetörns auf der Weser und schließlich auf der Nordsee. Mit der »Operation Sail 72« kam eine echte seglerische Herausforderung auf die neue Besatzung zu: Im September 1972 nahm die SEUTE DEERN Kurs auf Cowes, eine malerische Insel im Norden der Isle of Wight. Von hier aus starteten 42 Segelschiffe in drei Klassen zur Cowes–Skagen-Regatta. Anschließend folgte die Teilnahme an der spektakulären Windjammerparade von Travemünde nach Kiel anlässlich der Olympischen Spiele 1972.

Die Windjammer kommen: Das ist einmalig – so etwas habe ich noch nie gesehen! sagt Bundespräsident Dr. Gustav Heinemann, als sich eine Wand von Segeln, ein Mastenwald, die Armada von mehr als sechzig Segelschiffen aus dem Dunst vor der Kieler Förde herausschält und den Hafen ansteuert. Was die Besatzung der SEUTE DEERN auf dieser Fahrt gesehen und erlebt hat, gibt dem Grundgedanken einen erheblichen Schub. Andere europäische Länder haben bei der Windjammerparade lässig und selbstverständlich demonstriert, was hierzulande wohl konkrete Formen, aber noch nicht den Boden der Realität erreicht hatte: das Segeln mit Jugendlichen! In den Wochen nach diesem eindrucksvollen Törn folgte die Theorie. Ein Symposium in Kiel mit dem Thema »Die Zukunft der Segelschulschiff-Ausbildung« war ein kleiner Teil der Vorarbeit. Am 6. Januar 1973 war es dann endlich so weit: CLIPPER – das Deutsche Jugendwerk zur See wurde gegründet. Dem anfänglich milden Lächeln folgten nun immer mehr echtes Interesse und Anerkennung und das kleine Häuflein der Gründer blieb nicht lange allein. Pensionierte Kapitäne, alte Kap Horniers und Marineoffiziere stellten sich in den Dienst der CLIPPER-Idee und wollen ihre Erfahrungen »nach guter alter Art« weitergeben. Dazu bestand bald Gelegenheit: 1973 machte die SEUTE DEERN ihre erste Reise mit Jugendlichen – unter der blauen Flagge mit Steuerrad!

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Stand: 18. Sep. 2014

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