Schlepper Alk

Ein Schiff mit mehr als sieben Leben

Der Schlepper ALK ist für Michael Kreienberg so etwas wie eine Jugendliebe. Er entdeckte das Traditionsschiff 2012 wieder und rettete es vor der Verschrottung. Grundlegend überholt liegt der Schlepper nun in Cuxhaven, ist ein zeitgeschichtliches Denkmal genauso wie Ideengeber für ein Verfahren zur Kraft-Wärme-Kopplung auf Schiffen.

Wiederbegegnung nach fast dreißig Jahren
Begonnen hat alles im Jahr 1983. Ich war damals 13 Jahre, wohnte in Bremen-Nord und machte gerne Umwege auf dem Weg zur Schule. Meine Schlenker führten oft über den Vegesacker Hafen, denn dort lagen die Schlepper »Condor« und ALK der Reederei Fehner. Die ALK mit ihrem markanten, gerade geschnittenen Bug aus den 1920er-Jahren war nur noch sporadisch im Einsatz für die Werften.
Während das Schiff fortan durch verschiedene Hände, Insolvenzen und auch Versteigerungen ging, verlor ich es aus den Augen. Nach streng wirtschaftlicher Betrachtung hätte es den Schlepper längst nicht mehr geben dürfen.
Aber die ALK hatte sich in die Jetztzeit gemogelt. Fast dreißig Jahre später gab es 2012 zufällig eine neue Begegnung. Als »Jupiter« stand die ALK zur Versteigerung an. Der Eindruck in den 1980er-Jahren war ein bleibender: Ich habe den Schlepper, trotz verändertem Schiffsnamen und nun blauer Farbgebung, sofort wiedererkannt. Das Schiff stand zum Verkauf, es waren nur noch 24 Stunden bis zum Ende der Versteigerung, die im nicht öffentlichen Bieterverfahren stattfand.

In der Kürze der Zeit war es mir nicht möglich, Mitstreiter zu finden, das Schiff zu besichtigen, geschweige denn in Ruhe nachzudenken. Es folgten eine schlaflose Nacht und ein Gebot auf den letzten Drücker. Selbstzweifel, Vorwürfe aus dem Familienkreis und ein Anruf: »Sie haben als Höchstbietender den Zuschlag erhalten.«
Die ALK hatte einen Liegeplatz in Cuxhaven. Auf dem Weg dorthin lief es mir kalt den Rücken hinunter. Der kleine Schlepper aus meiner Kindheit wurde immer größer, während ich mich der Anlegestelle näherte. Mein erster Eindruck: Der Schlepper ist mit seinen 22 Metern größer als
in der verblassten Kindheitserinnerung. Die Voreigner haben bereits nennenswert Geld in die Sanierung und den Erhalt gesteckt. Auch die Fülle an gültigen Papieren konnte sich sehen lassen. Aber die ALK durfte nicht am Liegeplatz verbleiben, sondern musste zügig verholt werden. Also ging es erst mal mit Schlepperassistenz in den »Neuen Fischereihafen« in Cuxhaven. Ein Schlepper, der mit einem Schlepper verholt wird, das war ein etwas merkwürdiges Bild.
Ein Motorschlepper ist ein schwimmender Maschinenraum, in die Bilge passen mehr als 6.000 Liter Wasser. Leider wurde es immer mehr: Das Boot musste geschallt und dringende Arbeiten am Unterwasserschiff ausgeführt werden. Zum Glück befand sich einige Hafenbecken weiter in der Schleusenkaje, unweit der City-Marina, die Bootsund Schiffswerft Cuxhaven, die über eine geeignete Slipanlage und erfahrene Fachleute verfügte.
Die Entscheidung, das Boot engmaschig schallen zu lassen und den Problemstellen am Unterwasserschiff die volle Aufmerksamkeit zu widmen, hat sich als richtig erwiesen. Traditionsschiffe, die lange Jahre als Arbeitsschiffe ihren Dienst getan haben, weisen oft einen Reparaturstau auf, teilweise wurden Instandsetzungen in den vergangenen Epochen nach heutigen Maßstäben nicht immer fachgerecht ausgeführt. Auch bieten sich heute ganz andere bezahlbare Möglichkeiten bei der Zustandserfassung mittels Ultraschall, Röntgen oder endoskopischer Verfahren.
Beim Schlepper ALK gab es während der laufenden Sanierungsarbeiten immer wieder teure Überraschungen, so ist aus einer anfänglichen punktuellen Reparatur eine umfassende Sanierung mit Neubausektionen am Rumpf geworden.

Vergangenheit und Zukunft – warum wir Traditionsschiffe brauchen
Diese kurze Momentaufnahme des Projekts Schlepper ALK soll zeigen, wie wichtig und vielseitig leidenschaftlich privat organisiertes Engagement im Bereich der Traditionsschiffe für die Gesellschaft und Wirtschaft ist – eine kollektive Aufgabe und Verantwortung, die natürlich nicht allein den Museen aufgebürdet werden kann.
Der Schlepper ALK ist nicht nur ein Dokument der Zeitgeschichte, sondern kann auch als Leistungsschau des deutschen Maschinenund Schiffbaus verstanden werden. Zu Recht referenziert ein erster Komponentenhersteller von Langlebensdauerprodukten auf den Schlepper ALK. Die Reparatur bzw. Sanierung von Traditionsschiffen wirft spannende fachliche Fragestellungen abseits des Tagesgeschäfts auf und bedarf der professionellen Begleitung gut ausgebildeter Fachleute des Bootsund Schiffbauerhandwerks. So ist die Schiffshülle des Schleppers »ALK« wie ein Zeitstrahl durch alle Epochen der Verbindungstechnik im Stahlschiffbau, angefangen bei Nieten über erste lichtbogengeschweißte Nähte bis hin zu den in den Jahren 2013/2014 schutzgasgeschweißten Neubausektionen.
Ingenieurmäßige Fragestellungen hinsichtlich der Schiffsbetriebstechnik haben mich dazu inspiriert, am Beispiel des Schleppers ALK ein Verfahren zur Schaffung einer Kraft-Wärme-Kopplungseinrichtung auf Booten/Schiffen zwecks Speisung von Wärmeenergie und elektrischer Energie zu entwickeln und zum Patent anzumelden. Für die praktische Erprobung eignet sich das Schiff in besonderer Weise, so dass, sollte sich ein Projektpartner finden, der Schlepper mit neuer Nutzungsart nicht nur rückwärtsgewandt die Vergangenheit widerspiegelt, sondern als Innovationsträger das Potenzial hat, die Zukunft mitzugestalten – so schließt sich der Kreis.
Michael Kreienberg

 

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Name: Alk
Eigner: Michael Kreienberg
Webseite:
Heimathafen: Cuxhafen
Baujahr: 1924, Umbau 1961
Typ: Motorschlepper (kombinierter Binnen- und See-Schlepper)
Länge: 22,2 m
Breite: 5,24 m
Tiefgang: 2,25 m
Maschine: MWM RH 348 SU, 6 Zylinder, 386 kW bei 375 U/min
Besatzung: 2 Personen
Stand: 18. Sep. 2014

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