Johanna

Auf der Johanna aus dem Alltag segeln

Wochenende im Finkenwerder Kutterhafen, die Crew der Johanna bereitet das Schiff für eine Fahrt mit Gästen vor. Während noch Kaffee gekocht, Rettungsringe bereitgelegt und Segelkleider verstaut werden, stehen die ersten erwartungsvollen Mitfahrer auf dem Ponton.
Zwischen Anfang Mai und Mitte Oktober lädt die Johanna an vielen Wochenenden öffentlich zu Tagesfahrten ein und lockt unterschiedlichste Menschen an Bord: Hamburger und Touristen, Freundeskreise auf Ausflugstour, Schiffsbegeisterte und »Landratten«, Rentner und Familien mit Kindern. Alle verbindet die Neugier auf ein besonderes Segelerlebnis.
Auch heute kommt ein bunt gemischtes Grüppchen an Bord. Im Hintergrund läuft mit gleichmäßigem Tuckern der 2-Zylinder-Diesel warm. Gäste und Crew werden mit automatischen Rettungswesten ausgestattet und nach einer Sicherheitseinweisung starten wir unsere etwa fünfstündige Tour. Vier Mann/Frau Besatzung kümmern sich unterwegs um Schiff und Mitsegler. Diese können sich auf dem Schiff überall frei bewegen und die ersten beginnen nun, alles zu erkunden. Viele zeigen sich beeindruckt und überrascht von der Größe des unverbauten Laderaums der Johanna. Die engen, aber gemütlichen Kojen in Vorpiek und Achterkajüte entsprechen aber vielen Vorstellungen von historischen Segelschiffen.
Die Johanna hat einen besonderen rustikalen Charme, da sie abgesehen von Navi und Funk natürlich – weitgehend auf elektrische Installationen unter Deck verzichtet. Petroleumlampen und Kerzen stehen bereit und gekocht wird auf einem holzgefeuerten Küchenofen. Bei vielen älteren Gästen weckt dieser nostalgische Erinnerungen an Kindertage. Eine weitere besondere Sehenswürdigkeit findet sich im Bad. »Ihr habt ja wirklich eine Badewanne!« Ja, haben wir, und sie ist nicht nur für den Skipper.
Mittlerweile haben wir den Köhlfleet verlassen und können Segel setzen. Alle sind ausdrücklich eingeladen, mit anzupacken. Wer sich nicht an den Fallen verausgaben mag oder kann, lernt, wie man Tauwerk ordentlich aufschießt. Die stolzen Helfer staunen, als sie hören, dass dieses Schiff früher von nur zwei Mann gesegelt wurde. Und das in den ersten gut zwanzig Jahren ohne jede Maschinenunterstützung!

Auf die können wir nun auch vorerst wieder verzichten. Als die Maschine abgestellt wird, gibt es einen besonderen Moment der Ruhe, als alle an Bord die plötzliche Stille wahrnehmen. Nun ist das Rauschen und Plätschern des Wassers am Rumpf deutlich zu hören. Die Gäste genießen den Blick auf Blankenese und das südliche Elbufer, versorgen sich mit Getränken und kommen miteinander und mit der Crew ins Gespräch. Viele Fragen kommen auf: zu Segeln und Seitenschwertern, zur Schiffsgeschichte und zum Fahrtgebiet. Wir erzählen von unserem Verein und der ehrenamtlichen Arbeit am Schiff. Wenn die Situation es zulässt, dürfen Interessierte auch gerne die Pinne übernehmen. Einmal selber ein Schiff zu steuern, ist für viele kleine und große Mitsegler der Höhepunkt der Fahrt.
Nach einer Weile müssen wir umdrehen und wieder elbaufwärts kreuzen, um rechtzeitig wieder in Finkenwerder zu sein. Jetzt bekommen die Gäste nochmal »Segelaction« geboten und Hilfe beim Schwerthieven nehmen wir gerne an. Die Johanna ist zwar ein eher behäbiger Frachter, aber auf Am-Wind-Kurs fühlt sich die Fahrt gleich viel rasanter an. Ab und zu spritzt frech etwas Gischt an Deck. Auch beim Bergen der Segel können noch mal alle mithelfen, bevor die Crew das Anlegen vorbereitet.
Wieder in Finkenwerder verlassen die Gäste die Johanna voll mit neuen Eindrücken. Viele erleben die Stunden auf dem Wasser wie einen kleinen Kurzurlaub, der sie aus dem Alltag entführt. Sie haben sich von der Faszination Traditionssegeln ergreifen lassen. »Wir kommen gerne wieder mit« hören wir beim Abschied.

Svenja Weil

johanna

Name: Johanna
Eigner: Stiftung Hamburg Maritim
Webseite: http://www.ewer-johanna.de
Heimathafen: Hamburg
Baujahr: 1903
Ort: Elmshorn, D
Typ: Besan-Ewer
Länge: 18,62 m
Breite: 4,76 m
Tiefgang: 1,15 m
Segelfläche: 165 m2
Verwendung: Traditionsschiff
Stand: 18. Sep. 2014

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