HF42 Providentia

Ein norddeutsches Traditionsschiff kommt wieder in Fahrt!

Ende des 19. Jahrhunderts befand sich in Finkenwerder die größte deutsche Hochseefischereiflotte, fast ausnahms- los als reine Segler gebaut. Von ihr sind heute nur noch vier Exemplare erhalten.

HF 42 PROVIDENTIA ist der einzige erhaltene Hochseekutterewer. Sie soll
als einzigartiges Kulturdenkmal erhalten werden. Die dafür erforderlichen Arbeiten und Aktivitäten werden durch den Förder- und Betreiberverein organisiert, der eng mit der Ostseeschule Flensburg zusam- menarbeitet. Im Rahmen eines wegwei- senden Jugend-Schul-Projektes nehmen sich Schülerinnen und Schüler der 7.
bis 9. Klasse im Rahmen des regulären Schulbetriebes der vielfältigen anstehen- den Aufgaben an. Planung, Handwerk und Marketing der Restaurierung von PRO- VIDENTIA werden von den Jugendlichen übernommen, angeleitet und unterstützt von Pädagogen der Schule sowie ehren- amtlichen Fachleuten.
Ziel ist die Zulassung und der Betrieb als Traditionsschiff.

Frühsommer 2012

Die Ostseeschule übernimmt PROVIDENTIA. Der Vorbesitzer Matthias Betzold hat seit 1993 bereits enorm viel in das Schiff investiert, wesentlich in den Rumpf. Ca. 80 % der Planken und Spanten sind in den vergangenen 15 Jahren erneuert worden. Vorsteven, Kielschwein, Decksbalken, Deck, Balkweger, Leibhölzer, Relingstützen sind neu. Großmast, Besan und Klüverbaum sind von Matthias Betzold vor ca. 15 Jahren neu gebaut worden und in gutem Zustand. Fast alle Püttinge und Metallbeschläge für Rigg, Masten, Gaffeln und Klüver- baum sind neu hergestellt. Bei Übergabe sind alle nötigen Blöcke vorhanden, außerdem alle Juffern. Das Schiff verfügt über einen kräftigen Motor (Scania Vabis). Zwei 1300 Liter fassende Dieseltanks sind angefertigt und eingebaut worden, darüber hinaus die Auspuffanlage sowie eine neue hydraulische Ruderanlage. Neu angefertigt wurden ebenfalls Scheuerleisten, Anker, Doppel- kreuzpoller, Lüfter, Klampen, Beschläge für Masten und Spieren. Das Material für die Beleuchtung ist komplett vorhanden.

Sommer/Herbst 2012

Nach dem Leerräumen des Schiffes und dem Abnehmen der großen Planen, die das Schiff in den letzten Jahren gut »konserviert« haben, wird das Deck komplett neu kalfatert, die Decksöffnungen provisorisch geschlossen und die vielen vorhandenen Metallteile für Masten, Rigg etc. gestrichen.

Während eines zweiwöchigen Aufenthalts auf der Slipbahn der Werft von Christian Jonsson erfährt PROVIDENTIA auch am Rumpf ein Refit: Die Werft erledigt das Nachkalfatern des Rumpfes und den Austausch von alten Plan- kennägeln, wobei wichtig ist zu erwähnen, dass lediglich ein kurzes Planken- stück ausgetauscht werden muss.

Mit einer großen Zahl ehrenamtlicher Helfer werden die übrigen Arbeiten erledigt: Teer kratzen, Primer streichen, Erneuerung der Zinkanoden, Überprüfen von Ruder- und Wellenanlage, frische Farbe und Antifouling streichen, Schleifen und Ölen der Leibhölzer, Abziehen und Ölen der Masten.

Winter 2012/Frühjahr 2013

Das Schiff ist noch bis Dezember 2012 auf der Werft von Christian Johnsson, um den Schandeckel aufzusetzen und die doppelten Planken am Heck anzubringen. Mitte Dezember wird PROVIDENTIA unter eigener Maschine fahrend nach Flensburg überführt. Von hier haben die Pädagogen und Jugendlichen der Ostseeschule Flens- burg nur einen kurzen Weg, um 4 Mal wöchentlich am Schiff zu arbeiten. In den Wintermonaten wird die Bilge akribisch gesäubert, Spanten und Planken von innen mehrfach imprägniert, der Motor für den Anstrich vor- bereitet und ein provisorischer Fußboden eingebaut. Die Jugendlichen der Ostseeschule, die später mit PROVI- DENTIA in See stechen werden, überplanen Messe und Vorschiff, vermessen die Wände von Kabinen, Sanitär- bereich und Kombüse und bauen sie provisorisch ein.

Sommer/Herbst 2013

Im Sommer 2013 werden neue Wanten und Stagen angebracht. Außerdem erhält PROVIDENTIA ein neues Schanzkleid. Darüber hinaus wird das gesamte Holz an Deck geölt und lackiert. Der Motor erhält, wie auch die Tanks, einen neuen Anstrich. Außerdem werden die Decksaufbauten geplant.

Winter 2013/2014

Neben der Organisation von Materialspenden für die Navigation – Kompass, Logge, Echolot, GPS sind inzwi- schen vorhanden – steht nun der Bau der Bäume und Gaffeln für Groß- und Besanmast an. Nach Erstellung des Segelplanes können die Segel vermessen und bestellt werden. Im Schiff wird Betonballast eingebaut, der den bisherigen Stahlballast aus Eisenbahnschienen ersetzt. Die Jugendlichen drechseln außerdem die Belegnägel aus Esche.

Frühjahr 2014

Mit steigenden Temperaturen kann die Beschriftung des Spiegels und des Rumpfes erfolgen, welche histo- rischen Quellen folgt. Der hintere Aufbau wird erstellt und der Rumpf lackiert. Endlich können Klüver-, Groß- und Besanbaum montiert werden. Unter Deck werden Hauptschott und Maschinenraumschott eingebaut. Nachdem die Segel pünktlich fertig sind, kann das Ziel »Rumregatta 2014« erreicht werden!

Ausblick

Für die kommenden 12 Monate steht die Abnahme und Zulassung als Traditionsschiff an. Ausrüstung für Na- vigation, Kommunikation, Sicherheit und Brandschutz muss beschafft und eingebaut werden. Außerdem wird der Aufbau über der Messe erstellt und der Innenausbau möglichst weitgehend erfolgen. Das nächste ambitionierte Ziel ist, im Schuljahr 2015/2016 den ersten großen Törn mit PROVIDENTIA zu machen.

Ulrich Dehn

Stand: 18. Sep. 2014

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