Ernestine

Die ERNESTINE

ein Schiff mit vielen Gesichtern

Das Getrappel von Kinderfüßen dringt unter Deck und man kann die Aufregung der kleinen Gäste spüren. Das älteste Mädchen ist sechs, die beiden jüngsten Kinder gerade mal zwei Jahre alt. Unser vierjäh- riger Sohn ist heute Bootsmann und weist die Crew in die Gepflo- genheiten unseres Schiffes, der ERNESTINE, ein. So funktioniert das also mit den Schwimmwesten, hier finden alle die Kombüse und die Bordtoilette – ein neuralgischer Punkt auf jedem Schiff, der gut erklärt werden möchte. Dann heißt es Leinen los und wir fahren auf das Wasser hinaus. Die Crew setzt zusammen die Fock, sechs Kinder ziehen an einer Fall. Das Segel steht und wir gleiten dahin. Die Kinder wollen wissen: »Wie lange ist die ERNESTINE schon in eurer Familie?« Seit knapp zehn Jahren betreiben wir die ehemalige pommersche Quatze und haben in dieser Zeit verschiedene Konzepte umgesetzt. Durch ihr und unser vielschichtiges Leben sowie der Notwendigkeit, den Verfall unseres Schif- fes durch zum Teil große Umbaumaßnahmen zu stoppen, haben wir viele Maßnahmen zum Erhalt ergriffen und auf diesem Weg eine Menge erlebt: ERNESTINE ist eine Ureinwohnerin der hiesigen Gewässer mit einer nunmehr 115-jährigen Geschichte und als wir sie über- nahmen, war sie mehr ein schwimmendes Restaurant als ein stolzes Segelschiff aus einer vergangenen Epoche. Mit unserer Entscheidung, die Takelage vom Zweimaster in die ursprüngliche Besegelung als Ein- master zurückzubauen, konnten wir den ursprüng- lichen Charakter des Bootes wiederbeleben und so ein Stück Historie in dieser schnellebigen Welt bewahren.

Unser Schiff ist nun wieder zu einem segelnden Transportmittel geworden, das so manche Reise gut überstanden hat. An dieser Stelle möchten wir einige Stationen und Begegnungen der letzten Jahre auffächern:
Als Theaterschiff in Vorbereitung zur Weltklimakon- ferenz in Kopenhagen 2009 segeln wir mit einer Gruppe von Musikern und Künstlern über die Ostsee. Wir entwickeln ein Stück, das mit Artistik im Rigg und Musik an Deck zur Aufführung gebracht wird. Diese Veranstaltung markiert bisher den kulturellen Höhe- punkt unserer Reisen.

Erlebnispädagogik: In kleinen Gruppen bringen wir sogenannte Crash-Kids aufs Wasser, die zum Teil bereits die Jugendvollzugsanstalt, aber noch nie das Meer gesehen haben. Die kleine Welt an Bord erlaubt keine Kompromisse.

Segeln für mehr Verständnis: Immigrantenkinder und deutsche Jungendliche kommen einmal im Jahr an Bord.

Beim Segeln mit körperlich und geistig benachtei- ligten Mitmenschen wird auch für uns ein neuer Raum aufgemacht.

Wir unternehmen Mehrtagesfahrten mit kleinen Gruppen vornehmlich in die skandinavischen Länder. Mit acht bis zehn Gästen erkunden wir Fjorde und Schären. Hierfür kommen Gruppen aller Couleur zu uns an Bord.

Regelmäßig finden Tagestörns statt, bei denen die Gäste in die Manöver miteingebunden werden und so einen Eindruck vom Seemannshandwerk aus frühe- ren Zeiten bekommen.
Teilnahme an maritimen Großveranstaltungen finden wir anstrengend, sichern uns allerdings ein paar neue Planken.

2012 werden wir eingeladen zur weltgrößten Traditions- segler-Veranstaltung in Brest und sind beeindruckt von der Seemannschaft der englischen und französischen Crews, die das äußerste aus ihren Schiffen holen. 2016 sind wir bestimmt wieder dabei.

Als Kulisse für historische Filme sind wir ab und zu auf der Leinwand zu sehen.
Wir laden Rockbands ein, an Deck Konzerte zu geben. Das Publikum tanzt an Land.

Last but not least
ERNESTINE als Heimat
Unsere beiden Kinder werden an Bord geboren. Wir nehmen uns eine Auszeit, segeln entlang der europäischen Küste nach Süden, streifen den afrikanischen Kontinent und überwintern auf den Kanarischen Inseln. Nach einem Jahr kehren wir wieder zurück. Diese Reise fordert alles von uns an Mut und Hingabe zu unserem Schiff.
Die Momente, in denen wir mit Delfinen und Großwalen segeln, gehören zu den schönsten und berührendsten Erlebnissen aus dieser Zeit.
Heute sehen wir keine Delfine und Wale, das finden die Kinder schade. Als kleinen Trost setzen wir zur Fock noch Groß und Klüver und segeln zum Stubber, um dort die Rob- ben zu besuchen.

Nele Hybsier

 

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Name: Ernestine
Eigner: Europäische Akademie der Heilenden Künste e.V
Webseite: http://www.ernestine-segeln.de
Heimathafen: Lassan, Vorpommern
Baujahr: 1899
Typ: Pommersche Jagtquatze
Länge: 22 m
Breite: 5,2 m
Großmast: 20 m
Tiefgang: 2,2 m
Segelfläche: 200 m2
Verwendung: Wir machen alles, worauf Schiff und Besatzung Lust haben
Besatzung: 12 Personen
Stand: 18. Sep. 2014

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